Verkehr ist mehr als Autofahren

Veröffentlicht am 18.05.2021 in Verkehr

Überall wird über die Notwendigkeit einer Verkehrswende als ein Teil der Maßnahmen zum Klimaschutz gesprochen. Nicht in Neuenhagen, zumindest bekam man den Eindruck, wenn man die Sondersitzung des Ortsentwicklungsausschusses zum Thema Verkehr verfolgte.

Dort ging es nur um neue Straßen, auch durch den Grünstreifen am Gruscheweg und durch ein Naturschutzgebiet. Verkehrsvermeidung, ÖPNV, Fußgänger und Radverkehr kamen nicht vor.

Die Anwohner des Neubaugebiets Gruscheweg fühlen sich abgeschnitten, so lautet ein Vorwurf. Nun was ist am Gruscheweg außer an Wohnungen noch an Infrastruktur geplant? Es wird ein Einkaufszentrum mit einem Discounter und einem Vollsortimenter geben. Es wird ein Schul- und Sportzentrum entstehen mit einer Grundschule, einer KITA, einem Hort, einem Sportplatz und einer Sporthalle. In den mehrstöckigen Häusern ist auch stilles Gewerbe geplant. Alles dies ist fußläufig erreichbar und vermeidet Verkehr mit dem Auto.

 

Was ist an Verkehrserschließung geplant? Mit großem finanziellem Aufwand entsteht am Gruscheweg zur Carl-Schmäcke-Straße ein leistungsfähiger Kreisverkehr. Über diesen erreichen die Anwohner in wenigen Minuten mit dem Auto das Neuenhagener Zentrum, die Autobahn und die Stadt Altlandsberg, Hönow mit der U-Bahn und dem Straßenanschluss nach Berlin, Hoppegarten mit der S-Bahn und die B 1 nach Berlin.

Vorgesehen ist auch, das Wohngebiet an den ÖPNV anzuschließen. Der Bus von Altlandsberg nach Hoppegarten soll über das Gewerbegebiet und den Gruscheweg geführt werden. Daher auch der versenkbare Poller, statt des Vorschlags vom Bürgermeister, den Gruscheweg durch eine Grünfläche abzutrennen.

Ein Schwerpunkt der Verkehrsanbindung ist aber die Förderung des Fußgänger- und des Radverkehrs. Die Fichtestraße, Jahnstraße und Lahnsteiner Straße bleiben für Fußgänger und Radfahrer aus dem Gruscheweg offen. Die Rüdesheimer Straße, so das Verkehrsgutachten, soll zu einer Fahrradachse bis über die Hauptstraße und Annenstraße zur Ernst-Thälmann-Straße werden. Die Ernst-Thälmann-Straße soll barrierefrei ausgebaut werden. So hat man hier eine zentrale, kurze Verbindung zum Neuenhagener Zentrum und zum S-Bahnhof. Die Speyerstraße wird ebenfalls nicht für den Autoverkehr durchgestochen, sondern bleibt Radfahrern und Fußgängern vorbehalten. An der Kreuzung zur Hauptstraße soll es eine Querungshilfe geben. Dann geht es weiter über das ehemalige Kleinbahngleis bis zum S-Bahnhof Hoppegarten und dem KWO Gelände, auf dem eine Gesamtschule geplant ist. Auch eine Schwimmhalle ist hier immer noch bzw. wieder im Gespräch.

Kann man da ernsthaft noch von sprechen, motorisierter Individualverkehr lasse sich nicht vermeiden, wie der Bürgermeister es getan hat, oder der Gruscheweg sei abgeschnitten?

Zum Schluss einige Anmerkungen zur Umgehungsstraße, der sogenannten Osttangente, die in der Ausschusssitzung einen breiten Raum eingenommen hat. Umgehungsstraßen sind eine tolle Sache, wenn es wie in Altlandsberg viel Fernverkehr gegeben hat, der durch den Ort führte und nun um ihn herumgeführt wird.

In Neuenhagen ist dies nicht der Fall, so das Ergebnis aller bisherigen Verkehrszählungen. Von wo nach wo sollte man auch durch Neuenhagen fahren? Wir haben vielmehr Quell- und Zielverkehr, also hausgemachten Verkehr.

Die Verwaltung hatte dem Ausschuss verschiedene Varianten für eine Umgehungsstraße aus früheren Verkehrsgutachten vorgelegt. Nicht erwähnt hat sie, dass in allen Gutachten von einer Umgehungsstraße abgeraten wurde. Diese sei teuer und nicht nützlich oder gar schädlich. Alle Varianten der Umgehungsstraße enden auf Neuenhagener Gebiet an der Fredersdorfer Straße. Wie soll der Verkehr dann weitergehen? Durch Fredersdorf, die Dorfstraße oder durch den Ost- und Südring? Da sollte man mal die davon betroffenen Anwohner fragen, was sie davon halten.

Trotzdem hat sich der Ausschussvorsitzende Herr Obenauf und der Grüne, Herr Dr. Kretschmer, sehr für diese Umgehungsstraße ausgesprochen, auch wenn diese durch ein Naturschutzgebiet führt. Die überarbeitete Variante der beiden endet nicht an der Fredersdorfer Straße sondern – mit Hilfe eines kostenintensiven „Überfliegers“ - auf der westlichen Seite der BAB A 10 an der Schöneicher Allee, die Fredersdorf mit der B 1 verbindet. Wir haben alle Argumente zusammenaddiert und sehen aktuell die o. g. Möglichkeiten zur Vermeidung eines hohen Verkehrsaufkommens als zielführender, da kostengünstiger und umweltfreundlicher.

Besser als die Umgehungstraße wäre eine Untertunnelung oder Überbrückung der Gleise der Bahn an der Hauptstraße oder Niederheidenstraße, um eine Teilung des Ortes bei Taktverdichtungen der Bahn zu vermeiden. Fredersdorf hat hierzu schon eine Machbarkeitsstudie erstellt. Dies sollte Neuenhagen auch tun.

Jürgen Hitzges/Nico Schulz,

18.05.2021 Neuenhagen

 

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