Eine Industriegemeinde ohne Draht zur Industrie?

Veröffentlicht am 04.03.2018 in Kommunalpolitik

Ist es Ihnen beim vergangenen Neujahrsempfang der Gemeinde Rüdersdorf im Hennickendorfer MultiKulti aufgefallen? Die Vertreter der Industrie fehlten. Und wissen Sie was? Im letzten Jahr auch schon. Das ist natürlich kein Zufall. Seit es Rüdersdorf gibt, war es immer ein Geben und Nehmen zwischen Ort und Wirtschaft. Zu DDR-Zeiten hatten unsere Orte viel zu ertragen – viel Dreck, viel Verkehr, Verlust des Kalkberger Zentrums. Und immer gab es seit Beginn des Bergbaus auch „Schmerzensgeld“, sei es der Bergbauleiter Emil von der Decken, der in den 1880er Jahren erste Renaturierungs- und Parkprojekte anschob, sei es das Kulturhaus, das die Zementwerke dem Ort als Klubhaus „geschenkt“ haben. Das ist heute natürlich etwas anders, aber natürlich ist die Industrie und Wirtschaft immer noch eng verbunden ist mit dem Leben im Ort.

Wir haben Konzerne von weltweiter Bedeutung in unseren Gewerbegebieten, sei es Colorpack, die Pizzen, Teebeutel oder Medikamente international mit Packungen versorgen, sei es die Baustoffindustrie und deren Zulieferer, allen voran der Weltkonzern Cemex, der nun seine Verwaltung in unsere Gefilde verlegt hat. In allen Orten in diesem Land gibt es da regelmäßige Runden von Verwaltung und Industrie, um Pläne und Themen zu diskutieren. Nur in Rüdersdorf werden diese „Global Player“ bei Neujahrsempfängen noch nicht einmal erwähnt. Vor drei Jahren war die Industrie zum letzten Mal da. Es gilt Gespräche zu führen über Sorgen der Anwohner, Lösungen für Umweltschutz, Emissionen und Verkehrsplanungen, wie noch brach liegende Gewerbeflächen entwickelt werden können, was die Gemeinde vorhat, was die Firmen vorhaben. 

Ganz ehrlich, ich schaue mir das nun als Kreativunternehmer seit einigen Jahren fassungslos an, pflege über Wirtschaftsnetzwerke die Kontakte. Als Ende letzten Jahres der IHK-Regionalausschuss MOL neu aufgestellt wurde, dessen stellvertretender Vorsitzender ich bin (gemeinsam mit dem Rüdersdorfer Unternehmer Stefan Kurzawa von Hoffmeier), haben wir uns in Tasdorf versammelt. Und jetzt raten Sie einmal, wer nicht da war: Richtig, die Gemeinde Rüdersdorf. Wenn schon nicht der Bürgermeister, den ich übrigens auf KEINEM der vergangenen Neujahrsempfänge aller Nachbargemeinden oder beim Landkreis gesehen habe, dann sollte er doch wenigstens einen Vertreter schicken. Aber vielleicht war das ja nur ein Versehen. Leider häufen die sich in letzter Zeit. Ich habe manchmal das Gefühl, die Gemeinde Rüdersdorf ist an einer Entwicklung nicht interessiert. 

Im Gegensatz zu vielen Nachbarn wie beispielsweise Hoppegarten haben wir noch Entwicklungsflächen und -potenzial für die Wirtschaft. Und es ist wirklich grob fahrlässig, solche Chancen zu verspielen durch Ignoranz. Wir brauchen gute Verbindungen von Ort und Industrie, um Entwicklungen planen zu können und auch ehrlich über anstehende Probleme auf beiden Seiten sprechen zu können. Die Basis für Runden auf Augenhöhe ist im Moment in weiter Ferne.

 

Auf einen schönen Frühling,

 

Ihr

Stephen Ruebsam

SPD-Vorsitzender

 

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